Illustration einer nachdenklichen Frau zum Thema Finanz-Coaches, Luxusversprechen und Red Flags. Das Bild thematisiert kritisches Denken, Finanzbildung sowie die Unterscheidung zwischen Wissen und leeren Versprechen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Kommentar und er spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider. Die musst du nicht teilen, und das ist völlig okay so.

Wer mir auf meinem anderen Blog schon länger folgt, der weiß, dass ich mit der Coaching-Branche so gewisse Probleme habe. Nach meinem Erlebnis mit einem „Textercoach“ verfolgen mich jetzt die sogenannten „Money Coaches“. Wahrscheinlich, weil ich mich mit den Themen Geld, Krypto und Aktien viel beschäftige und dementsprechend recherchiere. Das mag der Algo-Mann.

Die ersten zwanzig Mal, wenn dir die Werbung so um die Ohren geklatscht wird, kann man — ich — das ja noch ignorieren. Nach 100x wird’s nervig und nach 200x könnt ihr euch vermutlich vorstellen, dass ich vom Augenverdrehen schon fast Muskelkater habe.

Auf Platz eins meiner persönlichen Lowlights sind die Typen — und ja, in 99,9 % der Fälle sind das alles Männer —, die mit dem dicken Auto vor der Tür und der noch dickeren Uhr am Handgelenk werben. In der letzten halben Stunde, ach was sag ich, in den letzten 10 Minuten haben sie einen sechsstelligen Betrag verdient. Zum Beweis werden dann irgendwelche Trading-Charts und/oder Kontostände in die Kamera gehalten.

Auf Platz 2 folgt dann ganz dicht der junge Mann — wahlweise mit oder ohne Designersonnenbrille —, der entweder im Meer schwimmt oder am Strand, wahrscheinlich in Dubai, liegt und meint, dass ein ganz normales Arbeitsleben mit einer 40-Stunden-Woche und anschließender Rente das unerstrebenswerste ist, was es auf der Welt gibt.

Platz 3 gehört dann dem „Coach“, der mir weismachen will, dass Daytrading „die einfachste Sache“ der Welt ist. Bruder, wenn es so einfach wäre, würde die halbe Menschheit — inklusive mir — vermutlich in Geld schwimmen.

Aber was nervt mich jetzt so daran? Nun, seriöse Finanzcoaches, die man eh schon mit der Lupe suchen kann, werden durch solche „Geschäftspraktiken“ ebenfalls in den Dreck gezogen. Denn der einzige, der bei den „Trading-Trainings“, die auf Social Media angeboten werden, verdient, ist der „Coach“. Manche sind sogar so dreist, das Ganze als (sehr offensichtliches) Pyramidensystem aufzuziehen — die Verbraucherzentrale hat dazu einen lesenswerten Artikel.

Gut, die Zielgruppe dieser Coaches ist sehr offensichtlich — und die bin bestimmt nicht ich. Denn ich träume weder von einem dicken Auto, in das ich beim besten Willen keinen Hund reinkriegen würde, noch von der dicken Uhr am Handgelenk. Meine sechs Jahre alte Apple Watch tut nämlich ihren Dienst sehr zuverlässig. Außerdem bin ich eine Frau, weit jenseits der 20, und noch dazu eine, die zumindest rudimentäre Kenntnisse in Sachen Finance hat.

Einfach und schnell sind ja die Zauberwörter, mit denen diese Jungs um sich werfen — wahlweise auch noch unkompliziert. Daytrading ist allerdings alles andere als einfach, und unkompliziert schon gar nicht. Stichwort: Hebel. Was ich ganz besonders traurig finde: Es gibt immer noch genug Menschen, die auf so einen — sorry für die deutlichen Worte — Mist hereinfallen und solchen „Coaches“ ihr gutes Geld hinterherwerfen.

Auch die Kryptobranche, die ja sowieso schon mit Imageproblemen kämpft, bleibt von solchen „Coaches“ nicht verschont. Hier sind es aber meistens Pyramidensysteme, die angeboten werden. OneCoin war da ein prominentes Beispiel für kriminelle Strukturen im Krypto-Bereich.

Augen auf bei der Coach-Wahl

Deswegen: Augen auf beim Coaching und bei der Auswahl des Coaches. Absolute Red Flags sind zum Beispiel:

  • Der Coach bietet ein „System“ an, das bisher „geheim“ war und nur einer gewissen Gruppe von Menschen zugänglich.
  • Es wird vor allem am „Mindset“ gearbeitet, statt an echtem Börsen- und/oder Kryptowissen. Das Mindset ist zwar wichtig — aber eben nur der kleinste Teil davon.
  • Der Coach feiert sich vor allem selbst, ohne dass viel Substanz dahintersteckt.

Google und Reddit können übrigens sehr wertvolle Recherchetools sein, bevor man irgendwo Geld in die Hand nimmt. Denn wer vom schnellen Geld träumt, sollte genau hinschauen, wessen Tasche dabei voller wird.

 

Ein Kommentar zu „Dicke Autos, dicke Uhren – Jeder ist jetzt dein Money Coach“

  1. Avatar von Hans Habegger

    Als ich vor 30 Jahren mit Coaching für Führungskräfte anfing hieß es noch: Coaching wird nie ein eigenständiges Business werden, von dem jemand leben könnte.

    Wir sind weit gekommen. Jetzt gibt es Coachs für alle Lebenslagen.

    Und mir graust es vor all den Phänomenen, die Du hier sehr zutreffend beschreibst. Es ist ein Markt der Beliebigkeiten, in dem kein Versprechen übertrieben genug sein kann.

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