Dieser Beitrag ist ein Kommentar. Er ordnet aktuelle Entwicklungen aus der Krypto- und Blockchain-Welt ein und gibt die Einschätzung der Redaktion wieder. Die Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit erheblichen Risiken verbunden und können bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
So, nachdem wir die Formalitäten geklärt haben, können wir ja jetzt loslegen. Ich gebe allerdings an dieser Stelle zu, dass ich das Kryptogeschehen, nachdem ich momentan nicht mehr aktiv in der Branche tätig bin, nur noch mit einem halben Auge verfolge. Halb heißt allerdings nicht gar nicht. Vor allem, nachdem mir in den vergangenen Tagen immer wieder Headlines à la „Bitcoin ist um – setzt hier eine beliebige Prozentzahl ein – gestiegen. Ist der Boden jetzt überwunden?“ begegnet sind. Da dachte ich mir: „Mega, dann ist mein Kryptoportfolio ja endlich nicht mehr unter Wasser.“
Also habe ich, sehr enthusiastisch, einen Blick auf CoinMarketCap (not sponsored) geworfen und wurde ziemlich schnell wieder in die Realität zurückgeholt. Der Bitcoin notiert aktuell bei etwa 64.000 US-Dollar. Auf Wochensicht ist die Kryptowährung also um ganze 1,54 Prozent gestiegen (Ironie aus). Mit seinem aktuellen Kurs liegt BTC damit knapp 50 Prozent unter seinem Allzeithoch aus dem Oktober 2025 und ungefähr auf dem Niveau des Allzeithochs aus dem November 2021. Also: Steigen sieht für mich anders aus.
Warum will der Bitcoin nicht steigen?
An dieser Stelle könnte ich fast nostalgisch werden und von den goldenen Zeiten 2022, 2023 oder 2024 schwärmen, als Bitcoin – und die meisten anderen Kryptowährungen – es schafften, sich aus dem Kryptowinter herauszukämpfen und von einem Allzeithoch zum nächsten zu rasen. (Bitte nehmt mich hier nicht wörtlich, sondern schaut euch einfach die Charts der Kryptowährung eurer Wahl an.)
Oder von der Zeit, als Bitcoin angetreten war, den Finanzmarkt zu revolutionieren, bevor die „Mutter aller Kryptowährungen“ zum Spekulationsobjekt verkam. Satoshi Nakamoto wird es wahrscheinlich eher ungeil finden, was Michael Saylor, ein gewisser orangener Präsident und der Rest aus seiner Idee gemacht haben. Ich warte ja immer noch auf den Tag, an dem er wie ein Racheengel aus den Tiefen des Internets zurückkehrt und all seine Bitcoin auf den Markt wirft. Ach, das wird ein Spaß.
Aber ich schweife ab. Warum will der Bitcoin also nicht steigen und sich wieder zu neuen Höhen aufschwingen?
Da kommen wohl verschiedene Faktoren zusammen. Da sind zunächst die berühmten „makroökonomischen Entwicklungen“. Will heißen: Inflation, Ölpreis, Zinsentwicklung und natürlich die Kaufkraft potenzieller Investoren. Dass es damit aktuell nicht zum Besten steht, dürfte inzwischen fast jeder mitbekommen haben. Dazu kommt, dass Bitcoin zu den sogenannten Risikoanlagen zählt. Und die stehen nun einmal nicht ganz oben auf der Einkaufsliste, wenn einem Inflation und hohe Energiepreise ohnehin schon um die Ohren fliegen.
Dann verliert Bitcoin – zumindest meiner Meinung nach – aktuell auch viel Vertrauen. Und Vertrauen ist nun einmal die wichtigste Währung in diesem Markt. Wenn selbst Strategy beziehungsweise Michael Saylor Bitcoin verkauft, spricht das nicht gerade für große Zuversicht. Keine Angst, Michael – du bekommst noch deinen ganz eigenen Kommentar von mir.
Die Zukunft von Bitcoin: Zwei Szenarien
Was die Zukunft von Bitcoin betrifft, kann ich mir eigentlich nur zwei Szenarien vorstellen.
Das erste wäre, dass die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt, die Niedrigzinspolitik zurückkehrt und Risikoanlagen dadurch wieder attraktiver werden. Dann sind Kurse jenseits der Marke von 100.000 US-Dollar durchaus wieder vorstellbar.
Das zweite wäre, dass Bitcoin noch weiter abstürzt. Nicht schön, ich weiß. Ich würde dann garantiert auch weinen. Vielleicht wäre genau das aber auch eine Chance für Bitcoin, sich wieder auf seine Wurzeln zu besinnen – also auf Satoshi Nakamotos ursprüngliche Idee: als dezentrales Zahlungsmittel zu funktionieren, unabhängig von Zentralbanken und anderen Intermediären. Vielleicht braucht Bitcoin keinen Bullenmarkt und den nächsten Hype – vielleicht braucht Bitcoin einfach wieder eine Idee, an die alle glauben könnten.

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