Der ein oder andere Leser wird sich heute morgen vermutlich verwundert die Augen gerieben haben, als die Nachricht die Runde machte, dass der Videospielhändler GameStop den Online Marktplatz Ebay übernehmen will. Insgesamt 56 Milliarden Dollar soll GameStop diese „Ehe“ wert sein, übrigens notfalls auch gegen den Willen der Unternehmensführung. Sollte diese die Übernahme ablehnen, will sich GameStop direkt an die Aktionäre wenden. Denn das Angebot kam unaufgefordert und alles deutet auf den Versuch einer feindlichen Übernahme hin.
Entstehen soll durch die Fusionierung ein Konkurrent für Amazon. Das macht insofern Sinn, da eBay sich in der jüngsten Vergangenheit neben dem bereits bekannten Geschäft auch auf Collectibles wie Trading Cards oder Sammlerstücke fokussiert hat.
Proposal to acquire eBay.https://t.co/FwjcxbDmyt
— Ryan Cohen (@ryancohen) May 4, 2026
eBay Übernahme: rund 12 Milliarden vs. etwa 46 Milliarden
Das Problem dabei: GameStop ist eigentlich sehr viel kleiner als eBay, das zu den größten Online-Auktionshäusern der Welt gehört. Zuletzt soll das Unternehmen rund 46 Milliarden US-Dollar wert gewesen sein, GameStop hingegen „nur“ 12 Milliarden Dollar. Zudem ist auch die Finanzierung so eine Sache. Aktuell soll der Videospielhändler rund 5 Prozent der eBay Aktien halten. Zudem soll es eine Finanzierungszusage in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar geben. Die restliche Summe will GameStop mit eigenen Aktien und Bargeld stemmen. Laut eigener Aussage besitzt das Unternehmen rund 9,4 Milliarden US-Dollar an Barreserven und „liquiden Investments“. Zu weiteren Details hält sich GameStop bedeckt.
Fraglich bleibt außerdem, ob sich die großen Pläne von Ryan Cohen, dem CEO von GameStop, wirklich verwirklichen lassen. An Amazon haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Zudem hatte auch GameStop in der Vergangenheit mit teils massiven Problemen zu kämpfen. Man erinnere sich an dieser Stelle an Wallstreetbets, den berühmten Zusammenschluss von Kleininvestoren, die durch ihren Short Squeeze GameStop vor der Pleite retteten.
Von Sinn und Unsinn der Übernahme
Wie bereits weiter oben erwähnt, machen die Übernahmeavancen auf den ersten Blick – und auf dem Papier – durchaus Sinn. Es bleibt allerdings fraglich, ob es sich dabei wirklich um ein ernstgemeintes Angebot oder um einen PR-Move handelt. eBay ist fast viermal größer als GameStop und es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Kleinere am Größeren verschluckt (man denke an dieser Stelle an Schäffler und Continental oder Porsche und VW). Zudem haben beide Unternehmen mit Problemen zu kämpfen, eBay stagniert und das Filialnetz von GameStop schrumpft vor sich hin.
Sollten die beiden Unternehmen verschmelzen, verschwinden die Probleme ja nicht von Zauberhand. Auch die kühne Behauptung von Cohen, dass er bei eBay die Kosten innerhalb von 12 Monaten um 2 Milliarden Dollar senken könnte, bleibt fraglich. Denn das Online Auktionshaus hat bereits selbst mit Sparmaßnahmen begonnen und will rund 800 Stellen abbauen. Es bleibt also abzuwarten, ob der Kleine den Großen schlucken kann und ob Ryan Cohen sich anderweitig umschauen muss, um eine wettbewerbsfähige Konkurrenz zu Amazon zu schaffen.

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