Wer sich ein wenig mit Kryptowährungen oder Trading beschäftigt, stößt früher oder später auf die Begriffe Hebel oder Leverage. Viele Trader sprechen davon, mit „5x“, „10x“ oder sogar „100x“ zu handeln. Das klingt erstmal nach einer Möglichkeit, die Gewinne einfach zu vervielfachen und genau so wird häufig damit geworben.

Ganz so unkompliziert ist das allerdings nicht, denn gehebelte Trades sind riskant – und man spekuliert nicht nur mit dem eigenen, sondern auch mit geliehenem Kapital. 

Was bedeutet ein Hebel im Trading?

Ein Hebel (englisch: Leverage) bedeutet, dass Trader mit mehr Kapital handeln können, als sie tatsächlich besitzen.

Das heißt, eine Handelsplattform oder ein Broker stellt zusätzliches Kapital zur Verfügung. Dadurch kann ein Trader eine größere Position eröffnen, als sein eigenes eingesetztes Geld eigentlich erlauben würde. Das eigene Kapital dient dabei als Sicherheitsleistung, die im Trading auch Margin genannt wird.

Ein einfaches Beispiel:

Eigenkapital: 100 Euro
Hebel: 10x
Positionsgröße: 1.000 Euro

Mit einem Einsatz von 100 Euro kontrolliert der Trader also eine Position im Wert von 1.000 Euro.

Bewegt sich der Markt in die gewünschte Richtung, fallen die Gewinne entsprechend größer aus. Klingt erstmal einfach, ist es aber nicht. Dazu später mehr. 

Hebel gibt es nicht nur bei Kryptowährungen

Auch wenn der Begriff im Zusammenhang mit Kryptowährungen häufig fällt, sind Hebelprodukte keine Erfindung der Kryptobranche. Sie existieren schon seit vielen Jahren an klassischen Finanzmärkten.

Hebel werden unter anderem eingesetzt beim Handel mit:

  • Aktien
  • Indizes wie dem DAX oder S&P 500
  • Rohstoffen wie Gold oder Öl
  • Devisen (Forex)
  • und eben Kryptowährungen

An den Aktienmärkten erfolgt der Handel mit Hebel häufig über sogenannte Derivate, zum Beispiel:

  • Optionsscheine
  • Futures
  • CFDs
  • Knock-Out-Zertifikate

Diese Finanzinstrumente ermöglichen es, mit relativ wenig Kapital größere Marktbewegungen zu handeln.

Warum nutzen Trader Hebel?

Viele Trader setzen Hebel ein, weil sie damit bereits bei kleinen Kursbewegungen höhere Gewinne erzielen können.

Gerade im kurzfristigen Handel bewegen sich viele Assets oft nur um wenige Prozent. Mit einem Hebel lassen sich solche Bewegungen stärker ausnutzen.

Ein Beispiel:

Steigt der Kurs eines Assets um 2 Prozent und ein Trader verwendet einen 10x Hebel, entspricht das rechnerisch einem Gewinn von etwa 20 Prozent auf das eingesetzte Kapital.

Das erklärt, warum Hebelprodukte sowohl im Kryptomarkt als auch im klassischen Börsenhandel beliebt sind.

Der Haken an den Hebeln: Verluste werden ebenfalls verstärkt

Hebel Trading funktioniert allerdings immer in beide Richtungen und gerade das wird von Einsteigern oft unterschätzt. 

Fällt der Kurs, werden auch Verluste entsprechend multipliziert. Schon relativ kleine Kursbewegungen können daher einen großen Teil des eingesetzten Kapitals vernichten.

Ein Beispiel:

Fällt der Kurs um 5 Prozent bei einem 10x Hebel, entspricht das rechnerisch einem Verlust von etwa 50 Prozent des eingesetzten Kapitals.

Fazit: Je höher der Hebel, desto schneller können sich Verluste aufbauen.

Was bedeutet Liquidation?

Bei gehebelten Positionen gibt es eine sogenannte Liquidationsgrenze. Wird diese erreicht, schließt die Handelsplattform oder der Broker die Position automatisch.

Das geschieht, wenn die Verluste so groß werden, dass das eingesetzte Kapital nicht mehr ausreicht, um die Position abzusichern.

Gerade bei sehr hohen Hebeln kann diese Grenze schnell erreicht werden. In der Praxis bedeutet eine Liquidation häufig, dass der gesamte Einsatz verloren ist.

Ein Beispiel: Im Oktober 2025 kam es zu einer der größten Liquidationswellen der Kryptogeschichte. Innerhalb kurzer Zeit wurden gehebelte Positionen im Wert von mehr als 19 Milliarden US-Dollar liquidiert. Über 1,6 Millionen Traderverloren dabei ihre Positionen. Gleichzeitig geriet auch der Markt selbst massiv unter Druck: Die Marktkapitalisierung von Bitcoin schrumpfte an diesem Tag um rund 380 Milliarden US-Dollar. Damit fiel der Wertverlust zeitweise sogar größer aus als während des Zusammenbruchs der Kryptobörse FTX im Jahr 2022.

Was ist ein Margin Call?

Bevor es zu einer Liquidation kommt, kann es bei gehebelten Positionen zu einem sogenannten Margin Call kommen.

Ein Margin Call bedeutet, dass die Handelsplattform oder der Broker den Trader auffordert, zusätzliches Kapital auf das Konto einzuzahlen. Der Hintergrund: Durch Kursverluste reicht die hinterlegte Sicherheitsleistung – also die Margin – nicht mehr aus, um die Position ausreichend abzusichern.

Der Trader hat dann in der Regel zwei Möglichkeiten:

  • zusätzliches Geld einzahlen, um die Position aufrechtzuerhalten
  • die Position schließen, um weitere Verluste zu vermeiden

Reagiert der Trader nicht oder bewegt sich der Markt weiter gegen ihn, kann es anschließend zur automatischen Liquidation der Position kommen.

Fun Fact: Popkulturell wird riskantes Trading oft mit Figuren wie Jordan Belfort aus The Wolf of Wall Street verbunden. Sein Aufstieg hatte allerdings weniger mit gehebelten Trades zu tun als mit einem berüchtigten Pump-and-Dump-System rund um sogenannte Penny Stocks.

Hinweis / Haftungsausschluss

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Finanzberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Kryptowährungen, Aktien und insbesondere der Handel mit Hebelprodukten sind mit erheblichen Risiken verbunden und können zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Jede Investitionsentscheidung sollte auf Grundlage eigener Recherchen und – falls erforderlich – nach Beratung durch einen qualifizierten Finanzberater getroffen werden.

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