Immer wieder geistern Überschriften à la „Dieser Trader hat mit diesem 10.000x gemacht“ oder „Dieser Anleger wurde mit diesem Coin über Nacht zum Millionär!“ durch die Schlagzeilen. Immer wieder werden Kryptowährungen als die Chance hochstilisiert, um über Nacht sehr reich zu werden. Doch wie sieht eigentlich die Realität aus? Funktioniert es immer noch, mit Kryptos viel Geld zu verdienen, gerade bei der aktuellen Kursentwicklung? Der Bitcoin notiert derzeit mit rund 67.000 US-Dollar und damit knapp 46 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Oktober 2026, das bei 126.000 US-Dollar lag. Der Fear and Greed Index steht bei 12 (extreme Fear) und innerhalb eines Jahres ging die Gesamtmarktkapitalisierung um knapp 20 Prozent zurück. Keine allzu guten Vorzeichen, oder?
Wie real ist der schnelle Reichtum durch Kryptos?
„Mit Kryptowährungen ganz einfach die finanzielle Freiheit erreichen“, das klingt zwar sehr schön, ist aber im Regelfall nicht ganz so einfach, wie gerne suggeriert wird. Es gibt sie natürlich, die „Über-Nacht-Millionäre“, die mit ein paar Coins enorm viel Geld gescheffelt haben. Die sind aber eher die Ausnahme als die Regel und vermutlich kommen auf jeden Kryptomillionär enorm viele Menschen, die mit ihrer Investition in die volatilen Coins teils große Verluste eingefahren haben.
Vermutlich sind Glück und Timing einer der Hauptfaktoren, wie man schnell reich mit Kryptos werden kann. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein beziehungsweise den richtigen Coin in der Wallet zu haben. Ein weiterer Faktor ist Geduld. Frühe Bitcoin Investoren, die beispielsweise eingestiegen sind, als ein BTC 0,0025 US-Dollar wert war, dürften vermutlich immer noch sehr, sehr glücklich mit ihrer Investition sein.
67.000 Dollar, Extreme Fear und schrumpfende Marktkapitalisierung – kein Umfeld für schnelle Millionäre
Die Kombination aus einem deutlich unter dem Allzeithoch notierenden Bitcoin, einem Fear-and-Greed-Index im Bereich „Extreme Fear“ und einer rückläufigen Gesamtmarktkapitalisierung signalisiert ein angespanntes Marktumfeld. In solchen Phasen dominieren Nervosität, Kapitalabflüsse und Risikoaversion statt spekulativer Euphorie, in der die Anleger gar nicht genug von Kryptowährungen bekommen können.
Genau diese Euphorie ist jedoch meist der Treiber für explosive Kursanstiege und damit für die seltenen Fälle schnellen Reichtums. Fehlt sie, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, kurzfristig außergewöhnlich hohe Gewinne zu erzielen.
Damit kommt der nächste Faktor für „Reichtum durch Kryptos“ ins Spiel, die Geduld. Investoren der ersten Stunde, die ihre Coins trotz aller Widrigkeiten gehalten haben, können sich, zumindest zum Teil, immer noch über teils enorme Renditen freuen. Bei Ethereum (ETH) sind das beispielsweise 612.800 Prozent, bei Solana (SOL) sind es 16.000 Prozent und bei dem Meme-Coin Pepe sind es sogar 1.520.000 Prozent.
Es ist aber gar nicht so einfach, Kryptowährungen mit Potenzial zu finden, die dann auch wirklich durchstarten. Denn auf jeden Coin, der es dauerhaft auf die höheren Plätze des Cryptorankings schafft, kommen tausende Coins, die genauso schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.
Millionärsmacher Meme-Coins?
Kommen wir an dieser Stelle zur nächsten Kategorie an Coins, die ebenfalls im Ruf stehen, immer wieder Über-Nacht-Millionäre hervorzubringen: die Meme-Coins.
First things first: Auch hier gibt es sie – Investoren, die mit vergleichsweise kleinem Einsatz enorme Gewinne erzielt haben. So machte ein sogenannter „Sniper“ mit dem Meme-Coin Broccoli Berichten zufolge rund 28 Millionen US-Dollar Gewinn. Solche Fälle sorgen regelmäßig für Schlagzeilen – und befeuern den Mythos vom schnellen Reichtum.
https://platform.twitter.com/widgets.jsA sniper made $27.8M by sniping the memecoin named after CZ's dog(#Broccoli)!😱
— Lookonchain (@lookonchain) February 14, 2025
After CZ announced the name of his dog, this sniper sniped almost every meme coin named #Broccoli.
Then he distributed #Broccoli to multiple wallets for selling using #disperse.
The sniper… pic.twitter.com/r0DmIFIwgX
Die Realität in Sachen „Investitionen in Meme-Coins“ sieht allerdings etwas anders aus. Im ohnehin volatilen Kryptomarkt zählen Meme-Coins zu den volatilsten Token überhaupt. Viele dieser Projekte verfügen über eine sehr überschaubare bis gar keine echte Utility. Ihr Wert speist sich primär aus Community-Dynamik, Social-Media-Hype und kurzfristiger Spekulation.
Gerade in diesem Segment sind extreme Kursschwankungen keine Ausnahme, sondern die Regel. Der erwähnte Broccoli-Coin notierte nach seinem Allzeithoch zeitweise mehr als 90 Prozent im Minus. Ein weiteres Negativbeispiel war 2024 der sogenannte HAWK-Coin: Innerhalb kürzester Zeit erreichte er ein Handelsvolumen von mehreren Hundert Millionen US-Dollar – nur um anschließend massiv einzubrechen. Solche Verläufe folgen häufig dem bekannten Muster aus Hype-Phase, starkem Preisanstieg und ebenso rasantem Absturz.
Hinzu kommt, dass frühe Investoren oder größere Wallet-Adressen oft überproportional profitieren. Während einige wenige hohe Gewinne realisieren, bleiben viele spätere Käufer auf deutlichen Verlusten sitzen.
Natürlich ist es grundsätzlich möglich, mit einem Meme-Coin Millionär zu werden. Statistisch betrachtet handelt es sich dabei jedoch eher um Ausnahmefälle als um ein realistisches Investment-Szenario. In diesem Marktsegment spielen Timing, Risikobereitschaft – und nicht selten schlicht Glück – eine entscheidende Rolle.
Zwischen 10.000x-Träumen und Marktrealität
Ja, es gibt sie – die spektakulären 10.000x-Stories, die frühen Bitcoin-Investoren, die Meme-Coin-Sniper. Und ja, theoretisch ist es auch heute noch möglich, mit Kryptowährungen sehr viel Geld zu verdienen.
Aber: Diese Fälle sind die Ausnahme, nicht die Regel. Der Kryptomarkt ist kein garantierter Vermögensbeschleuniger, sondern ein hochvolatiles Umfeld, in dem Chancen, Risiken und Totalabstürze eng beieinanderliegen. Wer hier schnell reich wird, hatte entweder außergewöhnliches Timing, außergewöhnlich viel Risikobereitschaft – oder schlicht außergewöhnliches Glück.
Der schnelle Reichtum durch Krypto ist also kein reines Märchen.
Er ist nur sehr viel unwahrscheinlicher, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Haftungsausschluss
Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellen keine Anlageberatung, Finanzberatung oder Kaufempfehlung dar. Kryptowährungen sind hochvolatile und spekulative Anlageformen, die mit erheblichen Risiken verbunden sind.
Jede Investitionsentscheidung erfolgt auf eigene Verantwortung. Eine Haftung für finanzielle Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Inhalte entstehen, wird ausgeschlossen.

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