Der Kryptomarkt kommt einfach nicht zur Ruhe. Bitcoin notiert mit einem Kurs von rund 67.000 US-Dollar etwa 46 % unter seinem Allzeithoch aus dem Oktober 2025. Ethereum stürzte auf knapp 1.900 US-Dollar ab und liegt damit rund 60 % unter dem Allzeithoch aus dem August 2025. Auch die anderen Altcoins aus dem Top Ten Ranking, darunter Solana und XRP mussten ordentlich Federn lassen. Die roten Kerzen haben die Herrschaft übernommen und derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Situation sich kurzfristig bessert. Vielmehr kreisen die „Krypto-Todespropheten“ wieder eifrig. 

Es hätte alles so schön sein können 

Eigentlich hätte alles so schön sein können – zumindest auf dem Papier. Groß waren die Wahlversprechen des amtierenden US-Präsidenten. Die USA sollten zur „Bitcoin-Supermacht“ werden. Die angestrebten Regulierungen sollten deutlich freundlicher ausfallen. Bitcoin Mining sollte unterstützt werden und Kryptoinnovation und Jobs in den USA  gehalten werden. Dementsprechend explodierten die Kurse kurz vor und nach der Wahl. Kryptoanalysten überboten sich förmlich mit positiven Prognosen. Bitcoin bei 200.000 US-Dollar? Das konnte doch nur der Anfang sein.

Kryptowährungen fallen ins Bodenlose 

Von den vollmundigen Versprechungen ist nicht mehr allzu viel übrig und die Realität hat die Kryptowelt eingeholt. Konkrete politische Maßnahmen mit messbarer Wirkung blieben eher überschaubar. 

Dank des Zollchaos sind die Märkte in Panik und das trifft vor allem Hochrisikoassets, zu denen Kryptowährungen nun einmal gehören. Die Anleger ziehen Liquidität ab und stecken diese eher in (vermeintlich) sichere Häfen wie Gold oder andere Edelmetalle. Sowohl der Gold- als auch der Silberkurs erreichten in den letzten Monaten Rekordwerte, während die Kryptowährungen ins Bodenlose stürzten. Die Bitcoin Reserve entpuppte sich als Rohrkrepierer.

Übrigens: Sämtliche Bitcoin-Gewinne seit der Wiederwahl des US-Präsidenten sind mittlerweile vernichtet. Dazu kommen die makroökonomischen Unsicherheiten. Als nächster Vorsitzender der FED steht Kevin Warsh im Raum – und der steht eher für eine restriktive Geldpolitik, sprich für hohe stabile Zinsen. Das treibt die Anleger nicht gerade zu Bitcoin und Co. Dazu kommt, dass der Clarity Act immer noch in der Schwebe ist, der eigentlich eine verbindliche Leitplanke für Stablecoins, Krypto-Plattformen und Banken werden soll. 

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Spot-ETFs brechen ein 

Als im Januar 2024 der Bitcoin Spot ETF gelauncht wurde, entwickelte sich das Anlagevehikel sehr schnell zum Verkaufsschlager. Doch die aktuellen Entwicklungen gehen natürlich auch am Spot ETF nicht spurlos vorüber. Zuflüsse wechseln sich mit Abflüssen ab und auch dieser Markt findet keine klare Richtung.

Zwar gab es in den letzten zwei Tagen wieder Zuflüsse, das hilft dem Bitcoin Kurs aber trotzdem nicht bei der Stabilisierung. Dazu kommt der schwache US-Dollar. Seit dem Amtsantritt des neuen alten US-Präsidenten hat dieser rund 10 Prozent an Wert eingebüßt. Das wiederum treibt die Anleger, wie bereits oben erwähnt, in sichere Häfen.

Zudem zeigt sich auch in Sachen KI mittlerweile eine große Verunsicherung. Mittlerweile hegt der ein oder andere Investor gewisse Zweifel, ob die gewaltigen Summen, die investiert wurden, überhaupt gerechtfertigt sind – und die Tech Werte sind mittlerweile sehr viel enger mit den Kryptowährungen verknüpft, als es so manchem Kryptoenthusiasten lieb ist. 

Sind wir in einem Kryptowinter? 

Auch der optimistischste Analyst dürfte mittlerweile erkannt haben, dass die Zeichen auf Bärenmarkt stehen. Der Fear and Greed Index steht mittlerweile auf 8 (extreme Angst) und kurze Erholungsphasen wechseln sich derzeit fast zuverlässig mit Gewinnmitnahmen ab. 

Eine weitere Betrachtung verstärkt die Annahme, dass wir uns nicht ganz plötzlich in einem Kryptowinter befinden. Dieser könnte schon viel früher begonnen haben, nämlich im Januar 2025. Allerdings war das nicht auf den ersten Blick sichtbar, wofür erhebliche Mittelzuflüsse in börsengehandelte Krypto-Investments und andere digitale Anlagevehikel ausschlaggebend waren, die die Marktschwäche zeitweise überlagerten.

Die Kursentwicklung der wichtigsten Kryptowährungen seit Anfang 2025 offenbart dabei eine klare Dreiteilung. Während Bitcoin, Ethereum und XRP vergleichsweise moderate Rückgänge verzeichneten, gerieten Projekte wie Solana, Litecoin und Chainlink deutlich stärker unter Druck. Besonders ausgeprägt fiel der Kursverfall jedoch bei Assets wie Cardano, Avalanche, Sui und Polkadot aus, die teilweise Verluste von über 70 Prozent hinnehmen mussten.

Der zentrale Faktor hinter dieser Divergenz war der Zugang zu institutionellem Kapital. Einige wenige Assets profitierten von ETF-Zuflüssen oder regulatorischen Fortschritten, während viele andere fast ausschließlich vom zunehmend austrocknenden Retail-Kapital abhängig blieben. Allein in Bitcoin flossen im betrachteten Zeitraum rund 75 Milliarden US-Dollar über ETFs und digitale Treasury-Strukturen. Ohne diese Kapitalströme wäre der Kursrückgang vermutlich deutlich stärker ausgefallen.

Für den breiten Retail-Markt herrscht daher faktisch bereits seit Anfang 2025 ein ausgeprägter Abschwung – auch wenn er bei einzelnen großen Assets zeitweise durch institutionelle Nachfrage überdeckt wurde.

Buy the Dip oder ran away? 

Kurz zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Stimmung auf dem Kryptomarkt alles andere als gut ist. Lohnt sich eine Investition in Kryptowährungen an dieser Stelle überhaupt noch, oder sind Bitcoin und Co. tot? 

Diese Frage lässt sich natürlich nicht so pauschal beantworten. Eine Investition in Kryptowährungen hängt auch immer von der persönlichen Risikobereitschaft und Leidensfähigkeit ab. Ob und wann die Kryptokurse steigen, lässt sich an dieser Stelle nicht genau prognostizieren. 

Es gibt allerdings Anleger, die gerade Kursdips dazu nutzen, um ihre Portfolios aufzustocken. Das wird dann Buy the dip gennant. Ob diese Taktik aufgeht, wird sich allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. Nämlich dann, wenn die Kurse wieder steigen – oder eben auch nicht. 

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