Peter Schiff und Bitcoin werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Der US-Ökonom, Investmentmanager und bekennende Goldbefürworter nutzt nahezu jede größere Marktbewegung, um vor der Kryptowährung zu warnen. Während Bitcoin von seinen Anhängern als „digitales Gold“ gefeiert wird, gilt er für Schiff als hochspekulative Blase ohne inneren Wert. Aus diesem Gegensatz ist über die Jahre ein offener Schlagabtausch entstanden, der sich vor allem in sozialen Netzwerken regelmäßig zuspitzt – begleitet von gegenseitigen Provokationen, Kursdebatten und ideologischen Grundsatzfragen.
Ein Kritiker mit klarer Weltanschauung
In seinen Marktkommentaren stützt sich Schiff konsequent auf klassische makroökonomische Größen: Staatsverschuldung, Zinspolitik und Inflationsentwicklung bilden den Kern seiner Analysen. Wirtschaftliche Zyklen, expansive Geldpolitik und wachsende Defizite gelten ihm als Haupttreiber zukünftiger Krisen. Entsprechend positioniert er sich seit Jahren eindeutig zugunsten von Gold und Silber, die er als vergleichsweise stabile Wertspeicher betrachtet. Zur Diversifikation empfiehlt er zusätzlich Aktien von Minenunternehmen, die aus seiner Sicht indirekt von steigenden Edelmetallpreisen profitieren.
Bitcoin ordnet er grundsätzlich anders ein. Für Schiff ist die Kryptowährung weder Absicherung noch alternatives Geldsystem, sondern ein reines Spekulationsobjekt, dessen Kurs primär von der Erwartung weiterer Preissteigerungen lebt. Einen eigenständigen inneren Wert erkennt er nicht.
Damit steht er im direkten Gegensatz zu jenen Investoren, die Bitcoin gerade wegen seiner begrenzten Menge und seiner Unabhängigkeit von Zentralbanken als digitales Gegenstück zu Gold sehen. Die ideologische Kluft ist entsprechend tief – und sorgt regelmäßig für Reibung mit der Bitcoin-Community.
Die immer gleichen Crash-Warnungen
In regelmäßigen Abständen meldet sich Schiff mit neuen Untergangsszenarien zu Wort. Zuletzt verwies er erneut auf die aus seiner Sicht schwache Entwicklung von Bitcoin im Vergleich zu klassischen „Krisenassets“ (Kurse: Stand Erstellung des Artikels):
- Gold: knapp 5.500 US-Dollar, +74 % auf Jahressicht
- Silber: rund 118 US-Dollar, +236 % auf Jahressicht
- Bitcoin: ca. 87.000 US-Dollar, –14 % auf Jahressicht
Für Schiff ist das ein deutliches Warnsignal mangelnden institutionellen Vertrauens. Bitcoin verhalte sich in Stressphasen nicht wie ein Schutzinstrument, sondern wie ein typisches Risikoasset, das gemeinsam mit Aktien und anderen spekulativen Anlagen unter Druck gerät.
Seine Schlussfolgerung: Sollte sich das makroökonomische Umfeld weiter eintrüben, könnten Anleger riskante Positionen abbauen – und Bitcoin würde besonders stark leiden.
https://platform.twitter.com/widgets.jsIn 2017, at its peak of nearly $20k, Bitcoin was worth 14.25 ounces of gold. Today it’s worth 16 ounces. That’s a 12% gain in nine years. Was it worth the risk to beat gold by just 1.3% per year? HODLers will find out the hard way as Bitcoin crashes and gold continues to soar.
— Peter Schiff (@PeterSchiff) January 29, 2026
„Jetzt verkaufen, solange es noch geht“
Besondere Aufmerksamkeit erregen regelmäßig seine öffentlichen Verkaufsaufrufe. In Interviews und auf Social Media warnt er Anleger sinngemäß:
„Wer jetzt nicht aussteigt, riskiert, beim nächsten großen Absturz alles zu verlieren.“
Solche zugespitzten Formulierungen sind Teil seiner Strategie. Schiff setzt bewusst auf dramatische Sprache, um maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine Kernbotschaft klar zu platzieren: Bitcoin eigne sich nicht als langfristige Wertanlage.
Parallel empfiehlt er, Kapital in Edelmetalle umzuschichten. Gold bezeichnet er dabei häufig als „einziges echtes Geld ohne Gegenparteirisiko“ – ein Argument, das besonders in Phasen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit bei konservativen Investoren Gehör findet.
Schiffs Kernkritik in komprimierter Form
Seine Ablehnung gründet nicht nur auf kurzfristigen Kursbewegungen, sondern auf strukturellen Einwänden:
- kein intrinsischer Wert (kein Cashflow, keine Dividenden, keine physische Nutzung)
- starke Abhängigkeit von Marktstimmung und spekulativer Nachfrage
- hohe Volatilität, die langfristige Wertstabilität erschwert
- technologische und regulatorische Risiken, etwa durch neue Gesetze, Softwarefehler oder Konkurrenzsysteme
In seiner Zuspitzung ist Bitcoin daher „eher ein digitales Spielcasino als ein solides Finanzinstrument“.
Kritik an Unternehmen mit Bitcoin-Strategie
Auch Firmen, die große Teile ihrer Bilanz in Bitcoin halten, sieht Schiff kritisch. Kursverluste einzelner börsennotierter Unternehmen wertet er als Beleg dafür, dass der Markt diese Strategie nicht honoriert.
Langfristig, so seine Argumentation, bevorzugten Investoren belastbare Geschäftsmodelle mit kalkulierbaren Erträgen – keine Wetten auf einen hochvolatilen Vermögenswert. Bitcoin erhöhe die Unsicherheit in der Bilanz, statt sie zu reduzieren.
https://platform.twitter.com/widgets.jsStrategy isn’t in the S&P 500. But if it were, its 47.5% decline in 2025 would make it the 6th worst-performing stock in the index. @Saylor claims the best thing a company can do is buy Bitcoin. Well, that’s basically all $MSTR did, and the strategy destroyed shareholder value.
— Peter Schiff (@PeterSchiff) December 31, 2025
Reaktionen aus der Krypto-Szene
Die Bitcoin-Community reagiert auf Schiffs Aussagen meist mit Spott oder Ironie. Viele verweisen darauf, dass er den Zusammenbruch von Bitcoin seit über zehn Jahren vorhersagt – und der Kurs dennoch mehrfach neue Höchststände erreicht hat.
Ein geflügelter Spruch lautet:
„Wenn Peter Schiff vor Bitcoin warnt, ist das ein Kaufsignal.“
Andere nehmen seine Kritik ernster und sehen darin zumindest eine Erinnerung daran, Risiken nicht auszublenden. Selbst überzeugte Anhänger räumen ein, dass starke Kurseinbrüche jederzeit möglich sind und Bitcoin keineswegs ein risikofreier Vermögenswert ist.
Treffer, Irrtümer – und ein offener Grundkonflikt
Schiff lag in der Vergangenheit nicht immer falsch. Seine Warnungen vor der Finanzkrise 2008 gelten bis heute als reputationsstiftend. Viele seiner Bitcoin-Prognosen – etwa ein baldiger Absturz „auf null“ – trafen jedoch bislang nicht ein.
Er selbst kontert, eine Blase erkenne man nicht an ihrem Platzen, sondern an ihrer Existenz – auch die Dotcom-Blase habe Jahre gebraucht, bevor sie kollabierte.
Am Ende geht es um mehr als nur Kursziele. Der Konflikt steht sinnbildlich für zwei gegensätzliche Denkschulen:
- physische Knappheit, Sachwerte, traditionelle Geldordnung
- digitale Knappheit, Dezentralisierung, technologische Systeme
Solange dieser Gegensatz besteht, dürfte auch Peter Schiff weiter vor Bitcoin warnen – und damit zuverlässig neue Reaktionen provozieren. Der Streit ist damit weniger eine kurzfristige Kontroverse als vielmehr Ausdruck eines grundlegenden ideologischen Konflikts über die Zukunft des Geldes.
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