Während viele Kryptofirmen weiter gegen regulatorische Windmühlen kämpfen, ist Ripple ein seltener Erfolg gelungen: Die britische Finanzaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) hat der Tochtergesellschaft Ripple Markets UK Ltd. offiziell grünes Licht gegeben. In einem Markt, der für seine strengen Regeln bekannt ist, kommt das fast einem kleinen Ritterschlag gleich. Für Ripple ist die Entscheidung vor allem ein handfester Vorteil im Wettbewerb um Banken und institutionelle Kunden in Europa.
Ein hartes Pflaster namens Großbritannien
Die britische Financial Conduct Authority gilt in der Kryptobranche nicht gerade als Kuschelbehörde. Wer hier Geschäfte machen will, muss umfangreiche Vorgaben erfüllen – von Geldwäscheprävention über Risikomanagement bis hin zu internen Kontrollmechanismen. Viele Anbieter sind in den vergangenen Jahren an diesen Anforderungen gescheitert oder haben sich freiwillig zurückgezogen.
Ripple gehört nun zu einer kleinen Gruppe von Unternehmen, die diese Hürde genommen haben. Damit gehört Ripple zu den wenigen Anbietern, die in Großbritannien überhaupt reguliert arbeiten dürfen.
Was die Erlaubnis tatsächlich bedeutet
Mit der Genehmigung darf Ripple in Großbritannien offiziell als regulierter Krypto-Dienstleister auftreten und zusätzlich als Electronic Money Institution (EMI) agieren. Klingt trocken, ist aber ziemlich wichtig: Damit kann das Unternehmen elektronische Zahlungsdienste anbieten und Zahlungsströme für institutionelle Kunden abwickeln– also genau das Geschäft, auf das Ripple seit Jahren setzt.
Im Kern geht es um internationale Überweisungen, bei denen Banken und Zahlungsanbieter über Ripples Infrastruktur Geld schneller und günstiger bewegen können. Die Blockchain dient dabei als technisches Rückgrat. Für viele Finanzinstitute ist genau das attraktiv: moderne Technik, aber unter Aufsicht.
Kein Freifahrtschein für alles
Allerdings ist die neue Freiheit im Empire nicht grenzenlos. Die FCA hat klare Grenzen gesetzt. Ripple darf aktuell keine Kryptowährungen direkt an Privatkunden verkaufen, keine Krypto-Geldautomaten betreiben und auch keine Vertriebspartner nach Belieben einsetzen. Für jede Erweiterung braucht es grünes Licht von der Aufsicht.
Auch bei Zahlungsdiensten für sehr kleine Unternehmen oder gemeinnützige Organisationen gelten Einschränkungen.
Die Zulassung im Kontext der kommenden Regulierung
Die Entscheidung der FCA fällt in eine Phase, in der Großbritannien seine Regeln für den Kryptomarkt grundlegend überarbeitet. Ab 2027 soll ein neuer Regulierungsrahmen gelten, der digitale Vermögenswerte weitgehend dem klassischen Finanzrecht unterstellt. Anbieter müssen dann eine umfassende Genehmigung nach dem Finanzdienstleistungsrecht beantragen.
Auch Unternehmen, die bereits registriert sind, bleiben davon nicht verschont. Sie müssen ihre Tätigkeit neu genehmigen lassen und zusätzliche Anforderungen erfüllen, etwa bei Eigenkapital, internen Kontrollen und Geschäftsmodellen.
Die aktuelle Zulassung ist für Ripple kein Abschluss, sondern lediglich eine frühe Etappe im Regulierungsprozess. Auch das Unternehmen wird sich den verschärften Vorgaben anpassen müssen, sobald das neue Regelwerk in Kraft tritt. Ob daraus ein dauerhafter Vorteil entsteht, bleibt offen.
Rückenwind für das institutionelle Geschäft
Für Ripple ist die FCA-Erlaubnis vor allem ein starkes Vertrauenssignal. Banken und Zahlungsdienstleister sind notorisch vorsichtig, wenn es um neue Technologien geht – erst recht, wenn Kryptowährungen im Spiel sind. Eine offizielle Registrierung bei einer anerkannten Aufsichtsbehörde senkt diese Hemmschwelle deutlich.
Das Unternehmen arbeitet bereits mit zahlreichen Finanzinstituten zusammen und bietet neben seiner Zahlungsplattform auch eigene digitale Vermögenswerte wie XRP oder den neuen Stablecoin RLUSD an. Mit der regulatorischen Rückendeckung aus London dürfte es leichter fallen, neue Partnerschaften zu schließen oder bestehende auszubauen.
Der Markt bleibt erstaunlich gealssen
Trotz der guten Nachrichten blieb die große Euphorie an den Kryptomärkten aus. Der Kurs von XRP reagierte nur verhalten. Offenbar hatten viele Anleger den Schritt bereits erwartet oder betrachten ihn eher als langfristigen Baustein denn als kurzfristigen Preistreiber. Aktuell notiert der XRP bei 2,09 US-Dollar und hat damit in den letzten 24 Stunden leicht um 0,42 Prozent zugelegt.
In einer Branche, die sonst eher für Überreaktionen bekannt ist, wirkt das fast schon erwachsen. Oder anders gesagt: Die Nachricht ist wichtig – aber nicht spektakulär genug für einen sofortigen Kurssprung.

Hinterlasse einen Kommentar